Am Anfang

Liebe Leserin, lieber Leser,

ergänzend zum einführenden Artikel "Auf der Suche nach zwischenmenschlichen Sym- und Antipathien: die Sozionik" auf der Webseite www.typen-und-mehr.com  lassen sich hier einige weiterführende Beiträge finden. Es beginnt mit einer Darstellung der Ausgangspositionen der Sozionik:

Am Anfang stand die Liebe

Der litauischen Wirtschaftswissenschaftlerin Aushra Augusta, die sich ab etwa 1975 außerhalb der ausgetretenen Pfade der damals herrschenden dialektisch-materialistischen Staatsideologie mit familiensoziologischen Fragen beschäftigte, genügten die einfachen marxistischen und pseudowissenschaftlichen Erklärungen für den Zusammenhalt von Intimbeziehungen und Ehen nicht, die Ende des 20.Jahrhunderts in der ehemaligen Sowjetunion im Schwange waren  Sie konnte die Bindungskraft von Intimbeziehungen weder in einem rein sexuellen Instinkt noch in der gemeinsamen Absicht von zwei Menschen erkennen, Kinder zu zeugen und zu erziehen, wie es Marx fernab jeglicher Romantik als Urvater der herrschenden Ideologie zu erklären können glaubte.

Vom Kugelmenschen zum Dual

 

Den Kern der intensiven sozialen Adhäsion fand sie 1978 in ihrem  Aufsatz „Die Relativitätstheorie erotischer Gefühle“, der damit gleichzeitig die Geburtsurkunde der von ihr geschaffenen „Sozionik“ ist, vielmehr in dem wechselseitigen Bedürfnis von zwei Partnern, die nicht nur ihre sexuellen Bedürfnisse gemeinsam befriedigen wollen, sondern auch eine geistige Verbindung anstreben. Damit sah sich Augusta in einer langen philosophischen und psychologischen Tradition, die nachweislich bis Plato zurückreicht.

 

Betrachtet man die Fundamente, auf denen Augusta und später ihre Anhänger das Gebäude der Sozionik errichtet haben, so lassen sich vor allem drei große Teile erkennen, die sie so mit einander verbunden hat, dass sie wechselseitig für Stabilität sorgen können.

 

Den zentralen Halt muss dabei das Konzept des platonischen Kugelmenschen liefern, wie er nicht nur in der Antike als Mythos erzählt wurde, sondern sich auch in modernen psychologischen Vorstellungen von der Liebe wiederfindet. Individuen erleben sich danach als Mangelwesen, die einer Ergänzung bedürfen, um sich als vollständig zu fühlen.

 

Um diesen menschlichen Erfahrungstatbestand zu veranschaulichen, erzählt der antike griechische Philosoph Platon einen Mythos vom Kugelmenschen. Danach waren die Menschen zunächst kugelförmig und wurden erst später vom obersten Gott Zeus, dem sie zu vollkommen, zu selbstbewusst und daher den Göttern zu gefährlich schienen, in zwei Halbkugeln geteilt.Dadurch erfährt sich der Mensch als unvollkommen und macht sich immer wieder auf eine sehnsuchtsvolle Suche nach seiner abgeschnittenen und verlorenen Hälfte. Gerade dieses menschliche Grundbedürfnis scheint der psychische Tatbestand zu sein, den der Mythos in seiner vorwissenschaftlichen Verkleidung erklären soll.

 

Das Bild besitzt allerdings kaum einen analytischen Wert, da es nichts über die Dimensionen aussagt, die als defizitär erlebt werden. Zwar lassen sich Menschen durchaus als sich ergänzende Halbkugeln vorstellen, und zwar nicht zuletzt in intimen Situationen, aber der Mythos bleibt nur eine Metapher, die zwar das Empfinden vieler Menschen ausdrücken kann, aber noch nichts darüber aussagt, in welchen konkreten Bereichen eine Ergänzung erst ein ersehntes Ganzes ergibt.

 

Um die archaische Vorstellung mit konkretem Inhalt zu füllen, hat sich Augusta bei den in jenen Jahren recht populären Partnerschaftsratgebern umgesehen, so bei van der Velde, der einen Weg zur „perfekten Ehe“ zeigen wollte, und bei der ersten großen empirischen Studie über das menschliche Sexualverhalten, dem Kinsey-Report.

 

Allerdings diskutiert sie in ihren späteren Arbeiten nur den Psychoanalytiker Erich Fromm etwas näher, der in seiner „Kunst des Liebens“ von einem Grundbewusstsein der „Abgetrenntheit und Isolation“ des Menschen ausgeht, deren Folgen sich durch eine gelungene intime Beziehung aufheben lassen: „Das Bewusstsein der menschlichen Getrenntheit ohne Wiedervereinigung durch Liebe - das ist die Quelle der Scham. Gleichzeitig ist es die Quelle von Schuld und Angst“ (Fromm, S. 25). So zitiert Augusta seine Beschreibung dieser dyadischen Verschmelzung: „In der Liebe kommt es zu dem Paradoxon, dass zwei Wesen eins werden und trotzdem zwei bleiben.." (Fromm, S. 31)

 

Unterstellt man einmal, dass es dem Menschen gelingen kann, sein „tiefstes Bedürfnis“ mit „seinem stärksten Streben“ zu erreichen und aus dem „Gefängnis seiner Einsamkeit“ (Fromm, S. 19, 28 u. 19) herauszukommen, stellt sich zunächst das Problem, „den richtigen Partner zu finden, den man selbst lieben“ kann und „von dem man geliebt wird.“ (Fromm, S. 12). Die erotische Liebe "ist das Verlangen nach vollständiger Vereinigung, nach der Verschmelzung mit dem anderen." (Fromm, S. 77) oder eben in dem älteren Bild das Zusammenfügen von zwei Halbkugeln, die so zu einander passen, als ob sie durch einen gewaltsamen Eingriff von außen einmal getrennt worden wären. Die Lösung dieser Suchaufgabe hat Augusta als ihr ganz persönliches intellektuelles Problem gesehen und in Angriff genommen.

 

Das antike Bild vom Kugelmenschen und die moderne Beschreibung der Liebe als Paradox beschreiben allerdings nur das Ziel. Sie weisen jedoch noch keinen Weg, da sie nichts über die empirisch fassbaren Dimensionen aussagen, die als defizitär erlebt werden oder in denen sich das „Wunder der Liebe“ konkretisiert. Und hier setzten die Überlegungen von Augusta an, die in ihrer „Theorie der Beziehungen zwischen den Typen“ den Blickwinkel sogar noch erweitert, wenn sie sich die allgemeinere Frage stellt: „ Wie kommt es, dass Individuen, die gut, verständnisvoll und gutmütig sein wollen, trotzdem anderen gegenüber gereizt und feindselig erscheinen?“ (Theorie intertypischer Beziehungen)

 

Obwohl sich Augusta von ihren Forschungsinteressen her selbst als Soziologin verstand, suchte und fand sie die Antwort in einem anderen Fachgebiet. Da unterschiedlich gute und schlechte Intimbeziehungen innerhalb derselben sozialen Schicht auftreten können, folgert sie, dass die Ursachen nur in den „objektiven Eigenschaften oder psychischen Strukturen der beteiligten Individuen“ liegen können.

 

Von Jung zum informationellen Metabolismus

 

Auf ihrer Suche nach den menschlichen Hälften, die sich zu ersehnten Ganzheiten formen lassen, beschäftigte sich Augusta daher mit verschiedenen psychologischen Persönlichkeitstypisierungen. Dabei interessierte sie sich zunächst für Ernst Kretschmers „Körperbau und Charakter“ (1921), der menschliche Typen darstellt, für die er Ähnlichkeiten zwischen anatomischen Merkmalen und psychischen Charakteren und Denkweisen behauptet. Dabei setzte sich Augusta intensiv mit den Schizothymen und Zyklothymen auseinander. Für Kretschmer besitzen die Angehörigen dieser Typen nicht nur einen einheitlichen körperlichen Phänotyp, sondern auch ähnliche soziale Einstellungen und Denkweisen, die sich jeweils von denen anderer Typen deutlich abheben.

 

So sind die Zyklothymen gesellig, umgänglich, gutherzig, freundlich, einfühlungsfähig, kontaktwillig und nie feindselig ablehnend, wobei sie wirklichkeitsnah, einfallsreich und praktisch denken, dabei aber wenig Sinn für logische Konsequenz besitzen und gegenüber einer bohrenden und systematischen Denkarbeit eine ablehnende Haltung einnehmen.

 

Einen Gegenpol bilden die Schizothymen, die nach Kretschmer wenig gesellig sind und nur eine tiefere innere Verbundenheit mit wenigen Gleichgesinnten gewinnen. Auch ihre Denkleistungen stehen polar zu denen der Zyklothymen, denn sie besitzen eine hohe Abstraktionsfähigkeit und einen Sinn für systematische Ordnung, wobei sie Klarheit in formaler Hinsicht lieben.

 

Aber diese recht grobe Typisierung konnte Augusta noch nicht zufrieden stellen. Schließlich fand sie jedoch das, wonach sie lange gesucht hatte. Sie stieß auf Jungs „Psychologische Typen“, die sie sofort besonders interessierten, weil der Schweizer Psychologe eine Typisierung vorschlug, die sich anders als bei den Psychiatern nicht mit psychisch kranken, sondern mit ganz normalen, gesunden Menschen beschäftigte. So wählte er auch nicht Devianzen wie Hysteriker oder Sadomasochisten als Bezeichnungen für seine Typen, sondern die jeweils „stärksten Seiten der menschlichen Psyche.“

 

Augusta erkannte in Jungs Typologie auch das Potenzial für die Kombination von Typen und damit die Verbindung zu den legendären Kugelmenschen Platos. Schließlich ging Jung von Persönlichkeitsmerkmalen aus, die jeder Mensch unterschiedlich stark entwickelt hat. Ja, er unterstellte sogar praktisch eine Dichotomie, denn für ihn ist jeder Mensch entweder rational oder irrational, introvertiert oder extravertiert usw. Die typisierten Menschen Jungs haben also große Ähnlichkeiten mit den halbierten Kugelmenschen im platonischen Mythos.

 

Allerdings konnte sich Augusta mit den Begriffen Jungs nicht besonders anfreunden, die sie teilweise für missverständlich und unklar hielt. Das gilt vor allem für die Unterscheidung von Denk- und Fühltyp, den sie durch Logiker und Ethiker ersetzte.

 

Jedoch bestand ein kombinatorisches Problem. Da Jung acht Persönlichkeitstypen unterscheidet, lassen sich die vier Wahrnehmungsfunktionen nicht leicht durch nur eine andere Hälfte ergänzen, wie sie bei den beiden Typen Intro- und Extravertierte möglich ist. Immerhin würde eine Verbindung von einem introvertierten Denk- und einem extravertierten Intuitionstyp noch Schwächen in den Bereichen Fühlen und Empfinden aufweisen.

 

Das Gehirn als Informationsverarbeitungssystem

 

Bei der Lösung dieses Problems griff Augusta den Gedanken des informationellen Metabolismus auf, der in jenen Jahren von dem polnischen Neurologen und Psychiater Andri Kepenski entwickelt worden war. Kepenski hatte diesen Begriff 1979 im Rahmen einer Untersuchung über Depressionen und Melancholie erstmals verwendet. Pate stand dabei eine Arbeit Erwin Schrödingers aus dem Jahre 1944, der damals erstmals das Leben mit Hilfe der sich entwickelnden Informationstheorie gesehen und die in seinem Aufsatz „Was ist Leben?“ gestellte Frage in dieser neuen wissenschaftlichen Perspektive beantwortet hatte. Er definierte Leben als etwas, das negative Entropie aufnimmt und speichert. Damit waren zwei zentrale Aussagen für menschliche Individuen verbunden: erstens können sie nicht isoliert leben, sondern benötigen einen ständigen Informationsaustausch mit ihrer Umwelt, und zweitens müssen sie Strategien verwenden, die die chaotische Reizflut zu sinntragenden Informationen selektieren und strukturieren.

Dieser zumindest damals sehr unkonventionelle Zugang verband die Biologie und Psychologie mit den neuen Wissenschaften Kybernetik und Systemtheorie, die nach allgemeinen Regeln der Steuerung und Systembildung suchten. Biologische Systeme wie der Mensch oder das menschliche Gehirn lassen sich dann als Informationsverarbeitungs-systeme interpretieren, wobei sich die Signale und Informationen im System von denen in seiner Umwelt unterscheiden. Diese Verschie-denheit lässt sich durch den Begriff der Entropie, die ein  Maß für die Unordnung oder Zufälligkeit  ist, erfassen. Da die Entropie einer gleichverteilten Zufallsfolge maximal ist, folgt, dass ihr Gegenteil, die Negentropie dieser Folge, minimal wird. In der informationsthe-oretischen Interpretation der Entropie ist damit die Negentropie groß, wenn in einer Zeichenfolge viel Information steckt und klein in einer zufälligen Zeichenfolge.

Als zentrales Problem wurde dabei die chaotische Datenflut der Umwelt gesehen, die einer Selektion und Ordnung bedarf, um vom Gehirn verarbeitet zu werden. Dabei variiert die Menge der verarbeiteten Informationen mit der zur Verfügung stehenden Energie, was für Kepinski den reduzierten Informationsaustausch oder informationellen Metabolismus bei depressiven Patienten erklärte.

Der Grundgedanke Kepinskis besteht in der Annahme, dass zwischen dem Organismus und seiner Umwelt nicht nur durch die Ernährung ein energetischer Stoffwechsel erfolgt, sondern auch analog ein informationeller. In diesem letzten Fall können für ihn zwei Phasen unterschieden werden. In der ersten Phase entwickelt sich fast unbewusst eine Einstellung gegenüber der Umwelt, in der sich emotionale Beziehungen wie Liebe, Hass, Wut und Angst herausbilden. Die zweite bewusste Phase ist durch eine aktive Haltung gegenüber der Umwelt gekennzeichnet, in ihr wird gesprochen und gehandelt.

Beide Phasen haben jedoch nicht nur unterschiedliche Funktionen, sondern auch ein abweichendes phylogenetisches Alter, ja, sie benutzen sogar verschiedene Sprachen. Während in der ersten Phase, die für Kepinski in entwicklungsgeschichtlich besonders alten Bereichen des Gehirns wie dem Hypothalamus abläuft, eine analoge Sprache verwendet wird, die sich durch Plastizität und Beständigkeit auszeichnet, benutzt die zweite Phase einen binären Code und arbeitet in der Neocortex. Ausgangpunkte dieser Annahmen über diese Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Gehirnsphären waren erste empirische Untersuchungen über die Selektion visueller Stimuli, die spezifischen Inputfiltern zugeschrieben wurden.

Die Analogie zwischen energetischem und informationellem Metabolismus zeigt sich für Kepinski noch in einem besonderen Aspekt, der für Augustas Schlussfolgerungen erhebliches Gewicht bekam. Genau wie Enzyme nur spezifische Nahrungsmoleküle verarbeiten können, sind auch die Gehirnzellen nur in der Lage, Umweltsignale umzuwandeln, die zu dem Verarbeitungsprogramm eines konkreten Gehirns auch „passen“.

Diesen Ansatz Kepinskis, der die menschliche Wahrnehmung mit Begriffen der Informationstheorie wie informeller Metabolismus und Negentropie zu fassen versucht, verband Augusta mit den beiden Orientierungen (extravertiert und introvertiert) und den vier Wahrnehmungsfunktionen (Denken, Fühlen, Empfinden, Intuieren) Jungs und schuf daraus ihr Hypothesensystem der Sozionik. Dabei dienten gleichzeitig die ersten Erkenntnisse über eine Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Teilen des Gehirns und die vermutete binäre Codierung von Informationen als Hintergrund in der Modellentwicklung.

Die Typen des informationellen Metabolismus (TIM)

Bereits unsere Alltagserfahrung lehrt uns, dass Individuen die Signale ihrer Umwelt sehr unterschiedlich verarbeiten. So berichten verschiedene Menschen über dieselbe Situation ganz unterschiedlich, da sie Wichtiges und Unwichtiges nach verschiedenen Kriterien trennen und das so selektiv Wahrgenommene dann abweichend interpretieren, analysieren und bewerten.

 

Für Kepinski und Augusta erfolgt dieser Informationsaustausch mit der Umwelt ganz analog zum energetischen Metabolismus der Nahrungsaufnahme und ihrer Umwandlung im menschlichen Körper. Allerdings handelt es sich nicht um ein chemisches, sondern um ein elektromagnetisches Phänomen, da die Umweltsignale im Gehirn als dem Organ des informationellen Metabolismus in elektrische Impulse transformiert werden. Dabei benötigt das Gehirn, wie Kepinski an psychisch erkrankten Patienten festgestellt hat, einen ständigen Signal- und Informationsfluss, genau wie der Körper für seine Funktionsfähigkeit eine ständige Nahrungsaufnahme verlangt.

 

Entsprechend der Informationstheorie verlangt dabei jedes System, also auch das Gehirn, Informationen, die es selbst verarbeiten und auch wieder aussenden kann. So kann etwa ein Individuum, das seinen eigenen Tonfall nicht wahrnimmt, auch den Tonfall von Gesprächspartnern nicht richtig beurteilen.

 

Damit stellt sich die Frage nach den Mechanismen, durch die das menschliche Gehirn die Datenflut reduziert. Augusta greift bei der Beantwortung dieser Frage nicht auf empirische Analysen der menschlichen Wahrnehmung zurück, sondern stellt eher philosophische Betrachtungen des Denkens schlechthin an. Grundlage sind die Kategorien Raum, Zeit und Materie bzw. Energie, die sie in drei Gegensatzpaaren erfasst. Es sind dies:

 

- innen versus außen, die sich jeweils auf das wahrnehmende Individuum beziehen,

 

- statisch versus dynamisch, womit kinetische Energien und Entwicklungspotenziale, also Veränderungen in der Zeit, erfasst werden, sowie

 

- objektbezogen versus feldbezogen, wodurch zwischen einer Fokussierung auf die materiellen Körper in der Umwelt oder die Beziehung zwischen diesen Objekten und dem wahrnehmenden Individuum unterschieden wird.

 

Damit lassen sich 2 x 2 x 2 = acht sogenannte „Aspekte“ unterscheiden, die Augusta in Anlehnung an Jung benennt, da sie in diese Aspekte mit den Wahrnehmungsfunktionen des Schweizer Psychologen gleichsetzt. Dessen Einstellungstypen extra- und introvertiert bezeichnet sie mit "schwarz" bzw. "weiß" steht, wodurch sie die Orientierung auf ein Objekt bzw. das Feld zwischen Objekt und Individuum fasst.

 

Aspekte des informationellen Metabolismus

 

Aspekt

Raumbezug

Zeitbezug

Materiebezug

schwarze Intuition

innen

statisch

objektbezogen

schwarze Sensorik

außen

statisch

objektbezogen

schwarze Logik

außen

dynamisch

objektbezogen

schwarze Ethik

innen

dynamisch

objektbezogen

weiße Intuition

innen

dynamisch

feldbezogen

weiße Sensorik

außen

dynamisch

feldbezogen

weiße Logik

außen

statisch

feldbezogen

weiße Ethik

innen

statisch

feldbezogen

 

Diese "Theorie der Aspekte" wird als Grundlage  der gesamten Gebäudes der Sozionik gesehen, da hier elementare Bausteine, also quasi kognitive oder psychische Atome, für die weitere Entwicklung der Sozionik herausgearbeitet werden, aus denen sich sehr komplexe Moleküle synthetisieren lassen.

 

Jeder dieser Aspekte kann unter drei Perspektiven gesehen werden: erstens bezeichnet er einen Ausschnitt aus der objektiven Wirklichkeit, zweitens kennzeichnet er eine individuelle Fokussierung, mit der ein Individuum diese Wirklichkeit wahrnimmt, und drittens eine Relation zwischen diesen beiden Sichtweisen, was immer bedeutet, dass ein Individuum nicht die ganze "Wahrheit" quasi fotografisch abbildet.

 

Damit ist nun nicht gemeint, dass ein Beobachter ein objektiv rotes

Buch für einen schwarzen Kasten oder ein gelbes Käsestück hält.

Vielmehr kann das Signal "rotes Buch" einen unterschiedlichen Informationswert besitzen, indem es der eine nach seinem materiellen Kaufwert betrachtet, es einem anderen als lange gesuchtes Geschenk für einen Freund oder eine Freundin ins Auge springt und ein dritter damit vielleicht Erinnerungen an seine letzte Lektüre verbindet.

Diese Informationsformen müssen jeweils mit besonderen Methoden verarbeitet werden, wobei für Augusta wie auch für Jung die Individuen diese Wahrnehmungsaspekte oder –fähigkeiten nicht gleichwertig ausgebildet haben. So achtet der eine besonders auf die Entwicklungs-möglichkeiten und Fähigkeiten anderer Menschen, ein zweiter sieht vorrangig das Gefühlsleben anderer, ein dritter sammelt eine Vielzahl von Eindrücken und ein vierter schließlich konzentriert sich auf eine betont sachlich-objektive Darstellung.

Augusta zerlegte den Informationsaufnahme und -verarbeitungsprozess durch das menschliche Gehirn somit in acht Aspekte, die sie nicht nur formal abzugrenzen, sondern auch inhaltlich zu füllen versucht. Es sind dies:

- die Willenssensorik, worunter sie sowohl äußere Eigenschaften von Objekten wie Form und Farbe versteht, aber auch Willenkraft und Energie,

 

- die Empfindungssensorik, womit sie etwa die Wahrnehmung der Gesundheit und den Geschmack von Mahlzeiten sowie das Erleben der Sexualität zusammenfasst,

 

- die Möglichkeitsintuition, d.h. die Fähigkeit das Wesentliche und das Mögliche zu sehen,

 

- die Zeitintuition, wodurch Informationen auf einer Zeitachse erfasst werden, die auch eine gezielte Planung erlaubt,

 

- die Handlungslogik, die sich vor allem auf ein enzyklopädisches Wissen und Aspekte des Geldverdienens bezieht,

 

- die Strukturlogik, womit die Entwicklung widerspruchsfreier  theoretischer Systeme gemeint ist,

 

- die Emotionsethik, d.h. die Fähigkeit, Gefühle und Stimmungen zu entwickeln , sowie

 

- die Beziehungsethik, die sich auf die Emotionen des Zusammenlebens wie Sympathie und Antipathie bezieht.

Einen besonderen Kunstgriff wendet sie bei der Wahl ihrer neuen Terminologie an, da sie die verbale Sprache weitgehend durch vier geometrische Grundsymbole ersetzt. Der Stellenwert dieser Entscheidung wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass die Texte damals auf Schreibmaschinen getippt wurden, die nur kyrillische Typen besaßen, sodass die Symbole recht mühsam mit der Hand in den Text eingezeichnet werden mussten.

Die gewählten Symbole, deren Autor Augustas Freund  A.Varanavichjus  ist, sollen dabei den jeweiligen Aspekt veranschaulichen. So steht der Kreis  für einen besonders umfassenden Kontakt mit der Umwelt (Sensorik), das gleichschenklige Dreieck  lässt sich besonders gut als kleinerer Kern in diesen Kreis einfügen und steht für die Intuition. Logik und Ethik bzw. Denken und Fühlen bei Jung versteht Augusta als äußere und innere Form desselben Prozesses. Daher benutzt sie als Symbol für die Stringenz des Denkens das Quadrat  und für den emotionalen Aspekt der rationalen Informationsverarbeitung einen Winkel, d.h. ein Quadrat, dem eine äußere Ecke fehlt .Der Unterschied zwischen extravertierten und introvertierten Aspekten wird durch den Farbton der Symbole angezeigt, so steht schwarz für die extravertierten und weiß für die introvertierten Aspekte.Daher spricht der Sozioniker von schwarzer Sensorik oder weißer Intuition.

Diese acht Elemente des informationellen Metabolismus konvergieren für Augusta mit den acht Persönlichkeitstypen Jungs, also seinen Kombinationen aus den beiden Einstellungen extravertiert (E) und introvertiert (I) sowie den vier Wahrnehmungsfunktionen Denken (T), Fühlen (F), Empfinden (S) und Intuieren (I). Diese Verbindung zu den aus dessen Primärerfahrung gewonnen zentralen Persönlichkeitsmerkmalen des bekannten Psychologen Jungs sind damit die empirische Grundlage von Augustas Annahmen.

        Aspekte des informationellen Metabolismus

 

 Strukturlogik

 Tätigkeitslogik

 Beziehungsethik

 Emotionsethik

 Sinnesempfindung

 Willensempfindung

 Zeitintuition 

 Wahrscheinlichkeitsintuition 

Persönlichkeitstypen als Kombinationen von Aspekten des informationellen Metabolismus

Augusta führt die Persönlichkeitstypisierung Jungs jedoch weiter, da der Schweizer Psychologe ihrer Meinung nach neben der Hauptfunktion die Bedeutung der zweiten bzw. Hilfsfunktion unterschätzt hat. Für sie hat Jung zwei Typen jeweils unter einem Namen zusammenge-fasst, denn aufgrund ihrer praktischen Erfahrung wird die Persönlichkeit eines Menschen „nicht durch eine, sondern durch zwei Funktionen determiniert.“ (Duale Natur, 3) So unterscheiden sich für sie Denktypen bzw. Logiker sehr deutlich, je nachdem ob sie als Zweitfunktion die Sensorik oder die Intuition ausgebildet haben. Während der sensorische Logiker eine praktische und aktive Person ist, tritt der intuitive Denktyp eher als ein Stratege auf, der zum Theoretisieren und Philosophieren neigt. Diese Unterschiede finden sich sogar noch in den Banalitäten des Alltagslebens, wobei der erste immer sehr ordentlich ist, während der zweite eher zerstreut erscheint und es ihm trotz aller Bemühungen nicht gelingt, ebenfalls ordentlich und konzentriert zu sein.

 

Jedes Individuum lässt sich daher nicht allein auf einen Aspekt reduzieren. Vielmehr müssen auch die weniger entwickelten Fähigkeiten berücksichtigt werden. Mit Hilfe der acht Aspekte entwickelte Augusta so ein Persönlichkeitsmodell, das später zu ihren Ehren als Modell A bezeichnet worden ist. Danach ist bei jedem Menschen einer der acht Typen des informationellen Metabolismus besonders gut entwickelt. Dieser Aspekt bestimmt den Typ. Mit dieser Bestimmung wird zugleich festgelegt, ob ein Individuum „rational“ oder „irrational“ ist.

 

Die Differenzierung zwischen rationalen und irrationalen Typen, der Kretschmer in seiner Typologie eine dominierende Stellung eingeräumt hat, übernimmt Augusta anfangs von dem deutschen Mediziner. Später greift sie auch bei der Definition dieser Dimension auf Jung zurück, für den die beiden Wahrnehmungstypen „Denken“ und „Fühlen“ bzw. in der Terminologie Augustas „Logik“ und „Ethik“ als rational sind,  während „Wahrnehmen“ und „Intuieren“ bzw. „Sensorik“ und „Intuition“ als irrational gelten. Nach der Dichotomie „Extraversion – Introversion“ wird die Farbe des Aspekts dieser ersten Funktion bestimmt. Sie ist im extravertierten Fall schwarz und im introvertierten weiß.

 

Die zweite Funktion wird nach denselben Prinzipien ermittelt. Bei rationalen Typen ist es entweder die Dichotomie „Sensorik – Intuition“, während es im rationalen Fall die von „Logik-Ethik“ ist. Dabei ist zu beachten, dass die Farbe dieses Aspektes für die zweite Funktion bei Extravertierten weiß und bei Introvertierten schwarz ist.

 

Diese beiden Funktionen kennzeichnen jedes Individuum als bewusste Persönlichkeit, wobei die erste Funktion, die Jungsche Hauptfunktion, als Programmfunktion der Persönlichkeit bezeichnet wird, während die zweite als Jungsche Hilfsfunktion eher kreative Funktionen übernimmt.

 

Insgesamt sind somit 16 Typen des informationellen Metabolismus möglich, da für Augusta die acht Aspekte als Hauptfunktionen nur mit jeweils zwei Hilfsfunktionen kombiniert sein können, wodurch dann zudem die Anordnung der weiteren Aspekte in ihrem Persönlichkeitsmodell determiniert ist.  

 

Aus der Kombination der drei Dimensionen mit jeweils zwei Ausprägungen lassen sich 2 x 2 x 2 Persönlichkeitstypen ableiten, die sie entsprechend ihrer Konstruktionsprinzipien bezeichnet, also etwa als logisch-sensorisch Extravertierten (Ausprägungen: Hauptfunktion: Logik, Hilfsfunktion: Sensorik, extravertierte Hauptfunktion). In diesem Bespiel steht die rationale Funktion an der ersten Stelle, während sie bei einem sensorisch-logisch Extravertierten nur eine Hilfsfunktion ist denn er ist als vorrangiger Sensoriker ein irrationaler Typ.

 

Für jeden Typ nimmt sie an, dass seine Angehörigen, auch wenn sie sich in exakt derselben Situation befunden haben wie die Angehörigen eines anderen Typs, später daran eine typenspezifische Erinnerung haben werden und auch die Situation gänzlich anders als die Vertreter eines anderen Typs beschreiben. Augusta fasst daher ihre Kernaussage über den informationellen Metabolismus wie folgt zusammen: „“Die Unterschiede der Persönlichkeitstypen sind nichts anderes als Unterschiede im Austausch von Informationssignalen mit der Umwelt. Daher werden wir die Persönlichkeitstypen als Typen des informationellen Metabolismus bezeichnen”. (Augusta, Duale Natur, 4)

Mentale Ergänzung und Dualität

Wenn jeweils Angehörige von Typen zusammentreffen, die sich in den Ausprägungen der Jungschen Merkmalsdimensionen unterscheiden, aber entweder beide entweder rational oder irrational sind, spricht Augusta von Dualen. In diesen Fällen besteht für sie eine vollständige Ergänzung, da das Paar insgesamt Stärken in den drei Dimensionen besitzt.

 

Rein formal gilt das nicht für den Rationalitätsaspekt, der ja bereits mit den Dimensionen Logik-Ethik und Sensorik-Intuition erfasst wird. Augusta formuliert daher ganz lapidar: „ Diese beiden Individuen verbindet nicht die Beziehung der Ergänzung, sondern die des Konflikts, die sich nicht für gemeinsame Tätigkeiten eignet.“ (Duale Natur, 7)

 

Wie könnte man eine stärker inhaltliche Begründung versuchen, ohne auf mögliche, aber wenig überprüfbare Erfahrungen verweisen zu müssen? Augusta nimmt an, das die Rationalitätseigenschaft angeboren ist, sodass hier möglicherweise ein Streben nach Ergänzung fehlt.

 

Mit dieser mentalen Addition oder Ergänzung glaubt Augusta das Prinzip gefunden zu haben, das aus Individuen, die sich selbst als „geteilt“ erleben, wieder ganzheitliche Kugelmenschen bilden kann: „ Der Typ des informationellen Metabolismus“, den sie als Kernbegriff ihrer Theorie mit TIM abkürzt, ist bestimmt durch die Ordnung der Auswahl und Verarbeitung der Informationen, die das Gehirn erhält. „Diese Ordnung determiniert die mentalen Eigenschaften des Menschen: seine Neigungen, Fähigkeiten, Interessen, Verhaltensmo-tivationen, seine Beziehungen zu anderen Individuen sowie seine ästhetischen und erotischen Vorlieben.“ (Duale Natur)

 

Unbewusst wirkt dieses Prinzip für Augusta in der sozialen Realität, so etwa bei der Partnerwahl. „Wenn sich Partner einander völlig annähern, können sie sich nicht durch unachtsame Worte oder Gesten verletzten, da sie die Motive jeder Handlung, des Wortes und jeder Stimmung erkennen. Dies ist die rote Signalfarbe, durch die die Natur garantiert, dass jeder weiß, welcher für ihn der Partner ist, der zu ihm passt. Jedoch wollen die Menschen häufig diese Signale nicht sehen, sie verstecken daher ihre unmittelbaren Reaktionen und glauben, dass sich in der Zukunft etwas ändern wird. Aber man kann den mentalen Strukturen nicht entkommen, die in der Kindheit geprägt wurden. Die Gegensätze werden sich nur verschlimmern.“

 Typ als Schicksal und das duale Glücksversprechen

Für Augusta ähnelt die Typzugehörigkeit daher einer elementaren Eigenschaft der Materie. Jedes Individuum ist wie ein chemisches Element in das Prokrustesbett seiner charakteristischen Eigenschaften gezwängt und kann sich nicht daraus befreien, wenn ihm sein eigener Typ nicht gefällt. Die Zugehörigkeit ist sein vorgegebenes Schicksal, das sich nur im Rahmen sehr begrenzter Möglichkeiten meistern lässt.

 

Als ein guter Helfer sieht sich dabei die Sozionik; denn mit eigener Kraft kann niemand seine Schwächen vollständig ausgleichen. Er bleibt in seiner „Halbheit“ gefangen, und die Versuche einer „Typverbesserung“ sind Typverfälschungen, die erfolglos bleiben oder sogar zu psychischen Erkrankungen führen können.

 

Nur durch einen Dual, also die andere Hälfte, die jeder Mensch benötigt, um sich als Ganzheit zu erleben, können die Auswirkungen der psychischen Grenzen abgebaut werden. Auf diese Weise lassen sich der mythische göttliche Eingriff, wie ihn Plato schildert, und das schmerzliche Gefühl von Einsamkeit und Getrenntheit, wie es Fromm beschreibt, aufheben. Die Liebe dualer Partner schafft ein ersehntes irdisches Paradies, denn ein Dual ist "ein Partner, der immer im richtigen Augeblick das Richtige weiß, wenn es notwendig ist, eine Antwort parat hat, einen Rat geben kann und einen Witz erzählt, um Stress abzubauen. Er versteht seinen Partner immer,  weiß immer, wie er unterstützen oder beschützen kann, wird seinen Partner nie verletzen und, was vielleicht noch wichtiger ist, wird sich von ihm nie verletzt fühlen.“ (Augusta)

 

In der Liebe mit ihrem Dual muss man deshalb nur auf eine Wirkung „verzichten“, die die Romantiker der Liebe zugeschrieben haben. Die duale Liebe ist eine Liebe frei von Leiden. „Während der vorehelichen  Freundschaften sucht man nicht selten weniger mit „ruhiger Behaglichkeit“, sondern mit großer Selbstlosigkeit und sogar mit Leiden. Es besteht der Glaube, dass das Gefühl der Liebe mit psychischem Lieben verbunden sein muss. Aber das trifft nur für die Fälle zu, in denen man sich in jemanden verliebt, der einen selbst nicht ergänzt.“ (Augusta) 

Durch die dualen Partnerbeziehung sollen hingegen viele der Probleme gar nicht erst auftreten, die in zahlreichen Beziehungen zu Konflikten oder gar zur Trennung führen. Das gilt auch für die Sexualität; denn die Unzufriedenheit von Eheleuten hat für Augusta ihre Ursache nicht in ihrer sexuellen Beziehung im engen Sinne des Wortes, sondern in der Form des Liebeslebens und den sexuellen Vorlieben. „Daher fügen wir hinzu, wer jemals einen Dual umarmt hat, wird nicht die Neigung verspüren, ihn durch irgendjemand sonst zu ersetzen.“ Schließlich sieht die Sozionik im Dual eine optimale Prophylaxe gegenüber sexuellen Divergenzen, wenn betont wird: “In der Beziehung der Ergänzung gibt es werden desinteressierte Männer noch frigide Frauen. Eheleute bleiben vielmehr ihr Leben lang sexuell aktiv.“ (Augusta)

Aber die Wirkungen der Dualität sollen sich auch außerhalb der Intimität zeigen; denn es wird eine deutliche Stärkung der Aktivitäten der Partner und damit auch ein verbessertes Selbstwertgefühl versprochen, wenn es heißt: „Verbunden mit seinem Dual wird jeder aktiviert und fühlt sich stärker und richtiger, ohne Dual hingegen scheint man schnell überfordert zu werden und sein psychisches Gleichgewicht zu verlieren.“ So kann man durch die tägliche Erfahrung der Ergänzung seine „Nützlichkeit für andere Menschen“ erfahren, das zu einer größeren Selbstachtung führt.

Neben der konkreten Erfahrung in Zweibeziehungen erwartet Augusta zudem wichtige Wirkungen von der Kenntnis der Sozionik. Dabei weist sie zum einen auf die sozionische Erklärung des partnerschaftlichen Verhaltens hin, das nicht durch einen “bösen” Willen des Partners determiniert ist, sondern durch objektive mentale Strukturen, die weitgehend genetisch bedingt sind und sich von den Individuen nur innerhalb enger Grenzen ändern lassen. Das wird gerade in der Sozionik besonders deutlich, wenn hier moralisch kaum bewertbare Ursachen wie die Formen der Informationsverarbeitung durch das Gehirns als Ursachen dienen.

Zum anderen verspricht sie sich viel vom Wissen um die Dualität, denn „viele Menschen wissen nicht, wie man die Dualisation der Psyche erlebt und suchen daher auch nicht danach.“ (Augusta) Eine Gesellschaft, die durch psychologisch optimale Beziehungen aufgebaut ist, kann daher für.“ Augusta erst den alten Traum vom Glück verwirklichen, das für sie vor allem darin besteht, verstanden zu werden und andere zu versehen.

Für die Begründerin der Sozionik ist das jedoch keinesfalls ein fantastisches Partnerschaftsmärchen, wie es in zahllosen Seifenopern und Werbetexten von Dating-Anbietern anklingt. Vielmehr glaubt sie an eine durchaus realistische neue Glückswelt für alle: „Wenn sie ihre Ergänzung, ihren Dual, gefunden haben, suchen sie nicht mehr nach dem unerreichbaren Prinzen oder der Traumfrau, sondern werden selbst zu Königen.“ 

Dualität als Aufgabe

 

Diese Versprechungen der Sozionik können zwar aus geschichtlichen Mythen wie dem des Kugelmenschen abgeleitet werden und sich auf teilweise durchaus plausible Argumente für die Komplementarität von Partnern in einer Beziehung stützen. Ihre empirische Absicherung bleibt jedoch gering; da sie sich neben der Primärerfahrung der Sozioniker nur auf einige Erfahrungen des Schweizer Psychologen Jung stützt. Letzteres gilt allerdings nur für die Persönlichkeitsmerkmale, nicht jedoch für die Beurteilung von Beziehungen zwischen psychisch stark abweichenden Partnern.

 

Deswegen muss man die Diskussion dualer Beziehungen jedoch nicht gleich beenden, da auch viele Sozioniker heute die Anfangsschwierig-keiten von dualen Partnerschaften eingestehen. Man darf nur die Partnerwahl nicht als ein rein psychotechnisches Problem sehen, das durch die Auswahl eines nach einem bestimmten Kalkül „geeigneten“ Partners bereits gelöst ist.

 

Gerade Fromm macht darauf besonders aufmerksam, wenn er bereits im Titel seines Buches erkennen lässt, dass es mit dem Finden eines Liebesobjekts nicht getan ist; denn in der Liebe sieht er eine „Fähigkeit“, die gelernt und entwickelt werden muss. Wenn sich auch Augusta zunächst auf die Suche nach der „abgetrennten Hälfte“ konzentriert, darf daher in der Freude über einen entsprechenden Erfolg dieser zweite Schritt nicht vergessen werden.

 

Das macht Fromm besonders deutlich, denn für ihn geht es bei dem "Problem der Liebe" nicht um ein "Objekt", sondern eben um eine "Fähigkeit". "Viele Menschen meinen, zu lieben sei ganz einfach, schwierig sei es dagegen, den richtigen Partner zu finden, den man selbst lieben könne und von dem man geliebt werde." (Fromm, S. 12) Für Fromm beginnt nach der Partnerwahl erst ein langer Lernprozess, den man in zwei Teile aufteilen kann: „Man muss einerseits die Theorie und andererseits die Praxis beherrschen." (Fromm, S. 15) 

Literatur:

Augustinavichiute (Pseudonym: Augusta), Aushra, Die Realtivitätstheorie erotischer Gefühle (Manuskript), 1978.

Dies., Die duale Natur des Menschen (Weiterentwicklung von “Die Relativitätstheorie erotischer Gefühle“), 1983.

Fromm, Erich, Die Kunst des Liebens, Stuttgart 1985 /1973

Kretschmer, Ernst, Körperbau und Charakter. Untersuchungen zum Konstitutionsproblem und zur Lehre von den Temperamenten, Berlin u.a. 1961.

Platon. Das Trinkgelage. Oder über den Eros, Frankfurt a. M. 1985

Struzik, Tadeusz, Kepinski’s Information Metabolism, Carnot’s Principle and Information Theory, in: International Journal of Neuroscience, 1987, Vol. 36, 105 – 111.

Zolotarev, Jury, Typology According to C. G. Jung and the Model of Informational Metabolism Invented by Aushra Augustinavichiute, o.O. und o. J. 

 

 

 

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Sozionisches Dating

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